Berchtesgaden

Berchtesgaden ist eine Marktgemeinde im Landkreis Berchtesgadener Land im äußersten Südosten des bayerischen Regierungsbezirks Oberbayern. Als Mittelzentrum des südlichen Teiles des Landkreises Berchtesgadener Land gehört es regionalplanerisch zur Planungsregion Südostoberbayern, in der derzeit Rosenheim das einzige Oberzentrum ist. Traunstein und das grenznahe österreichische Salzburg nehmen teilweise oberzentrale Funktionen wahr. Kreisstadt und nächste größere Stadt ist Bad Reichenhall, die nächste Großstadt innerhalb Deutschlands ist München.

Erstmals urkundlich erwähnt als Klosterstiftung berthercatmen im Jahre 1102, wurde dem Stift 1156 die Forsthoheit und damit verbunden auch die Schürffreiheit auf Salz und Metall gewährt. Salz- und Metallgewinnung sorgten für einen ersten wirtschaftlichen Aufschwung und ließ den Ort zu einem Markt heranwachsen. Die Pröpste der Augustiner-Chorherren weiteten ihn zum Hauptort eines kleinen geistlichen Territoriums aus, der von 1559 bis 1803 das geistliche und weltliche Zentrum einer gleichnamigen Fürstpropstei bildete.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Berchtesgaden dank seiner Sehenswürdigkeiten und Naturdenkmale zu einem Touristenziel mit rapide wachsenden Gästezahlen. Der Aufschwung setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg fort, anfangs vor allem auch wegen des Führersperrgebiets in seiner Gnotschaft Obersalzberg und der damit verbundenen Rolle Berchtesgadens in der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei war das auf dem gleichnamigen Berg gelegene Obersalzberg keineswegs nur „Wallfahrtsstätte für Ewiggestrige“, sondern gehört bis heute regelmäßig zum Besuchsprogramm amerikanischer Salzburg-Touristen.

Seit den 1990er Jahren sind die Gästezahlen jedoch rückläufig, und die Gemeinde sucht sich mit Ökologie und umweltverträglicherem Tourismus zu profilieren.

Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Berchtesgadener Land
Höhe: 572 m ü. NN
Fläche: 35,61 km²
Einwohner: 7713 (31. Dez. 2011)
Bevölkerungsdichte: 217 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83471
Vorwahl: 08652
Kfz-Kennzeichen: BGL (bis 1972 BGD)

Geografische Lage

Berchtesgaden gehört zum Regierungsbezirk Oberbayern im Freistaat Bayern. Die Gemeinde ist Teil der hochalpinen Region im südlichen Landkreis Berchtesgadener Land, die nahezu völlig von den Berchtesgadener Alpen und im Osten, Süden und Südwesten vom österreichischen Bundesland Salzburg umgeben ist. Diese und die benachbarten Gemeinden Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau werden zuweilen auch als geomorphologische Einheit Berchtesgadener Talkessel bezeichnet.

In Berchtesgaden vereinigen sich die Flüsse Königsseer Ache aus Schönau am Königssee und die Ramsauer Ache aus Ramsau zur Berchtesgadener Ache. Diese fließt auf relativ schmalem Talniveau entlang der B 305 in nordöstliche Richtung nach Marktschellenberg und von dort in die Salzach in der Nähe von Salzburg. Zuflüsse innerhalb des Gemeindegebietes sind der dem Rauhenkopf entspringende Anzenbach, welcher am Salzbergwerk linksseitig einmündet, und der von der Buchenhöhe kommende Larosbach, welcher an der Laroswacht von rechts zufließt.

Abgesehen von der Talebene in Richtung Salzburg, ist die Gemeinde durch unterschiedliche Höhenlagen gekennzeichnet. Der Hauptbahnhof liegt auf 520 m über NN, das Marktzentrum auf 570 m, die Erhebungen innerhalb des Marktes sind der Lockstein mit 687 m und zum Teil der Kälberstein mit 786 m. Ortsteile und Gnotschaften wie die Au und Maria Gern liegen auf 700–1100 m, Obersalzberg auf 1000 m und das Kehlsteinhaus auf 1834 m über NN.

Die Gemeinde ist etwa 20 Kilometer südlich von Bad Reichenhall entfernt, 24 Kilometer von Salzburg, etwa 150 Kilometer südöstlich von München und 200 Kilometer nordöstlich von Innsbruck.

Sie gehört zusammen mit den anderen Gemeinden des Landkreises Berchtesgadener Land zum Vorfeld des Nationalparks Berchtesgaden und ist dessen Verwaltungssitz. Der Nationalpark und das seinerzeit noch hauptsächlich auf den inneren, südlichen Teil des Landkreises beschränkte Vorfeld wurden ab 1978 offiziell zum Alpenpark Berchtesgaden erklärt. 1990 erklärte die UNESCO den Alpenpark zum Biosphärenreservat Berchtesgaden. Seit Juni 2010 zum Biosphärenreservat Berchtesgadener Land erweitert, bezieht es jetzt den ganzen Landkreis ein.

Geologie

Der Ort liegt inmitten der gleichnamigen Berchtesgadener Alpen, deren Basis meist Ramsaudolomit bildet. Über dem Dolomit liegt nicht selten eine bis zu 1000 Meter mächtige Schicht Dachsteinkalk. In dem gebankten Dachsteinkalk finden sich Muschelschalen, die wegen ihrer Halbmondform Kuhtritte genannt werden. Die in dünnen Dolomitschichten eingelagerten Algenmatten lassen auf Ablagerungen eines tropischen Flachmeeres schließen, die innerhalb von ca. 15 Millionen Jahren den Kalk entstehen ließen.

Der Steinbruch auf dem Kälberstein, von dem nur ein Teil zu Berchtesgaden gehört, weist stratigraphisch Liegendes auf. Es setzt das Hallstätter Kalkprofil fort und enthält das unterkarnische Terrigenintervall (Halobienschiefer) und die lückenlose Sedimentation über der Karnium/Norium-Grenze mit einem Überschneidungsbereich, der das Tuval 3 bis Lac 1 umfasst.

Während die Berghänge häufig mit Bergkiefern bewachsen sind, überwiegen auf den ungerodeten Talflächen des Ortes Tannen- und Fichtenwälder.

Bei dem salzführenden Gestein im Bereich Berchtesgaden-Bad Reichenhall handelt es sich um ein Haselgebirge. Sein durchschnittlicher Salzgehalt beträgt um die 50 Prozent, kann aber zwischen 0 und 90 Prozent schwanken.

Klima

Das Berchtesgadener Klima wird als thermisch und aktinisch reizmäßiges Hochgebirgsklima beschrieben, das auch von Föhnwinden geprägt ist.

Die Jahresmitteltemperatur beträgt 7,2 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 16,3 °C, der kälteste der Januar mit −2,7 °C im Mittel. Die Differenz zwischen dem Maximum und dem Minimum, die Amplitude, beträgt 19,0 °C.

Es sind für den Ort ganzjährig Niederschläge zu verzeichnen, deren mittlere Menge mit 126 Millimetern pro Monat angegeben wird. Spitzenwerte werden im Juli mit durchschnittlich 219 Millimetern, die geringsten Niederschlagsmengen im November mit 85 Millimetern gemessen. Das Klima ist somit humid. Der Jahresniederschlag liegt mit 1514 Millimetern über dem deutschen Durchschnitt von 700 Millimetern (Stand: Oktober 2006).

Nachbargemeinden

Die Berchtesgadener Nachbargemeinden auf deutscher Seite gehören wie Berchtesgaden selbst zum Landkreis Berchtesgadener Land. Seine nordwestliche Nachbargemeinde ist Bischofswiesen, der sich nördlich das gemeindefreie Gebiet Schellenberger Forst anschließt. Im Nordosten grenzt die Gemeinde Marktschellenberg und im Südwesten die Gemeinde Schönau am Königssee an, der sich im Süden beziehungsweise Südosten ebenfalls ein gemeindefreies Gebiet namens Eck mit der Exklave Resten anschließt. Östlich von Berchtesgaden befindet sich der deutsch-österreichische Grenzübergang am Dürrnberg und dahinter die österreichische Stadt Hallein.

Gemeindegliederung

Zu Berchtesgaden gehören der Markt als Ortskern sowie nach den Eingemeindungen von 1972 im Rahmen der Gebietsreform in Bayern die vormals selbstständigen Gemeinden Au, Gern und Salzberg, die in zwölf Gnotschaften und eine neuere Siedlung unterteilt sind, von denen Obersalzberg wegen seiner Bedeutung während der Zeit des Nationalsozialismus große Bekanntheit erlangte. Resten im Ortsteil Au bildet eine Exklave von Berchtesgaden, die vom gemeindefreien Gebiet des Staatsforstes Eck umschlossen ist. In Resten wurde während der NS-Zeit die Wohnsiedlung Buchenhöhe für Angestellte und Beamte auf dem Obersalzberg errichtet. Die Gemeindefläche hat sich nach den Eingemeindungen von 1,5 auf 35,61 km² vergrößert. Am 1. Januar 1984 wurde zudem ein kleiner Teil des „Forstes Königssee“ eingemeindet.

Geschichte
Frühgeschichte, Namensgebung und Ersterwähnung

Zur Früh- und Vorgeschichte der Region um Berchtesgaden existieren lediglich Streufunde (vorwiegend Lochäxte) aus der Jungsteinzeit, die den Aufenthalt von Fischern und Jägern vor 4000 Jahren belegen. Ein Münzfund aus der Latènezeit (5. bis 1. Jahrhundert vor Chr.) könnte auch durch Verschleppung erklärt werden, da bislang keine Siedlungsreste aus dieser Zeit nachgewiesen werden konnten.

Der erste Teil des Namens könnte sich entweder von der Perchta oder einem Siedler mit dem Namen Perther ableiten, der zweite Teil von Gaden, einem umzäunten Wohnsitz. Nach Feulner könnte dieser Perther auch ein Aribone gewesen sein, der dort ein einstöckiges Haus oder eine Jagdhütte unterhielt, in deren Nähe auch einige Hütten für Dienstleute errichtet worden waren.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Berchtesgaden im Jahre 1102. Der Besiedelung des Ortes war ein Gelübde der Gräfin Irmgard von Sulzbach vorangegangen. Nach einem Jagdunfall ihres Ehemannes Graf Gebhard II. von Sulzbach wollte sie als Dank für seine Errettung ein Kloster stiften. Nach Irmgards Tod am 14. Juni 1101 setzten sich ihre Söhne Berengar I. von Sulzbach und Kuno von Horburg-Lechsgemünd für die Erfüllung dieses Gelübdes ein. Sie reisten zusammen mit dem zum Propst des geplanten Klosterstifts berufenen Eberwin zwischen 1102 und 1105 nach Rom. Papst Paschalis II. bestätigte die Klosterstiftung und stellte das gräfliche Eigenkloster berthercatmen unter seinen Schutz.

Ab Ende des 12. Jahrhunderts ist in den Urkunden häufig von berthersgaden die Rede, in Historische Abhandlungen der königlich-baierischen Akademie aus dem Jahr 1807 vom „vormaligen Stift Bertholdsgaden“ und in Herders Conversations-Lexikon von 1854 gibt es die alternierenden Stichwörter „Berchtesgaden“ und „Berchtoldsgaden“, was mit einer Berchtesgadener Sage korrespondiert.

Vom Augustinerstift zum Hauptort einer Fürstpropstei

Für das Klosterstift entsendete Berengar um 1100 unter der Führung des zum Stiftspropst ernannten Eberwins Augustiner-Chorherren und Laienbrüder nach Berchtesgaden, die jedoch die Gegend als sehr unwirtlich empfanden. Da sich zudem die Errichtung des Klosters hinzog, auch weil Berengar zwischenzeitlich anderen politischen Interessen nachgab, gingen die Mönche zusammen mit Eberwin in das 1107/09 ebenfalls von Berengar gegründete Kloster Baumburg im Norden des heutigen Landkreises Traunstein. Eberwin kehrte aus eigenem Antrieb ca. 1112 (lt. Feulner vermutlich um 1116) nach Berchtesgaden zurück. Er veranlasste die ersten größeren Rodungen und die Augustiner-Chorherren ließen sich alsbald endgültig dort nieder. 1122 wurde zumindest ein erster Bauabschnitt der Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer von dem Salzburger Erzbischof Konrad geweiht, was auch durch eine Inschrift der Jahreszahl 1122 an der Kirche angezeigt wird.

Berchtesgaden wurde zum Hauptort eines kleinen geistlichen Territoriums, der in das baierische Stammesherzogtum eingebunden war. Kaiser Friedrich Barbarossa bestätigte 1156 in einer „Goldenen Bulle“ die Gebietsgröße des Stifts und gewährte ihm die Forsthoheit sowie die Schürffreiheit auf Salz und Metall. Wobei die jüngere Geschichtsforschung zu dem Ergebnis kam, dass es sich bei der Eintragung des Salzregals um ein in jener Zeit keineswegs unübliches „Interpolieren“ und dem Ergebnis nach um eine verfälschend nachträgliche Erweiterung der Urkunde durch die Empfänger handelte. Diese in dem kaiserlichen Privileg enthaltenen Regalien sorgten jedenfalls für einen ersten wirtschaftlichen Aufschwung, der den Ort 1201 zu einer Pfarrei und einige Jahrzehnte später zu einem Markt heranwachsen ließ. (Erstmals beurkundet ist die Bezeichnung „Markt“ im Jahr 1328 – eine offizielle „Markterhebung“ ist jedoch nicht anzunehmen, da auch keine eigenständige bürgerliche Rechtsentwicklung für den mit der Residenz eng verbundenen Ort belegt ist.) Von 1294 bis 1380 stieg der Machteinfluss der Stiftspröpste stetig an und sie erlangten den Status von Reichsprälaten. Bereits seit den Tagen des Eberwin wegen Gebietsansprüchen im Konflikt, vermochte das nahe Erzbistum Salzburg sich erst die Schellenberger Saline als Pfand und von 1393 bis 1404 die lukrativen Ländereien der Fürstpropstei schließlich ganz einzuverleiben, so dass in jenen Jahren auch der Markt Berchtesgaden seiner Herrschaft unterstand.

1490 wurde ein Stiftsspital nahe der Pfarrkirche St. Andreas sowie 1565 ein Leprosenhaus urkundlich erwähnt.

Im Jahr 1559 wurde das Stift unter der Regentschaft von Kaiser Maximilian I. zur Fürstpropstei Berchtesgaden erhoben. Berchtesgaden war damit Hauptort des kleinsten Fürstentums, der einzigen Fürstpropstei des Bayerischen Reichskreises. Von 1594 bis 1723 unterstand sie jedoch der kurkölnischen Administration des bayerischen Hauses Wittelsbach, das als erster Ferdinand von Bayern mit einer über 50-jährigen Zuständigkeit vertrat. Als Kurfürst und Erzbischof von Köln konnte sich Ferdinand jedoch nur wenig um die Fürstpropstei kümmern. In seine Regierungszeit fiel der Dreißigjährige Krieg (1618–1648), von dessen zerstörerischen Folgen Berchtesgaden selbst „wie durch ein Wunder“ verschont blieb. Es wurde dafür aber „wiederholt zur Kasse gebeten“, um die kriegsbedingten Schäden in Köln wiedergutzumachen.

1710 wurde der erste wissenschaftlich gebildete Arzt an den Ort berufen.

Ab 1723 waren die Berchtesgadener wieder allein den von den Augustiner-Chorherren ernannten Fürstpröpsten untertan, die als erstes im Zuge der bereits von Ferdinand von Bayern eingeleiteten Gegenreformation nahezu alle Einheimischen evangelischen Bekenntnisses auswiesen. Mit der Säkularisation im Jahr 1803 endete die fürstpröpstliche Herrschaft über Berchtesgaden.

Säkularisation, Anschluss an Bayern

Innerhalb von sieben Jahren nach der Säkularisation und dem Ende der pröpstlichen Herrschaft wechselte Berchtesgaden viermal die landespolitische Zugehörigkeit. Ab 1803 gehörte es auf Anordnung Napoleons zum neuen Kurfürstentum Salzburg unter der Regentschaft des Habsburgers Ferdinand III., nach dem Frieden von Pressburg 1805 zum neu gegründeten Kaisertum Österreich und ab 1809 für kurze Zeit zum napoleonischen Frankreich. Nach der Neuordnung Europas im Jahr 1810 wurde Berchtesgaden als Hauptort des Berchtesgadener Landes zusammen mit Salzburg dem Königreich Bayern angegliedert und verblieb dort im Gegensatz zu Salzburg, das seit 1816 wieder zu Österreich gehört.

Königliche Residenz und erster Tourismus

Mit der Einbindung in das Königreich Bayern unter der direkten Zuständigkeit des Landgerichts Berchtesgaden war Berchtesgaden 1810 dem Salzachkreis zugeordnet und ab 1811 Sitz eines Landgerichts. Ab 1817 wurde die Gemeinde Teil des neu geschaffenen Isarkreises, der seit 1838 Oberbayern heißt. Im Jahr 1868 erfolgte eine Unterteilung des Regierungsbezirks Oberbayern und die Eingliederung des Ortes in das Bezirksamt Berchtesgaden.

Die bayerischen Könige nutzten Berchtesgaden seit seiner Zugehörigkeit zu Bayern als Sommerresidenz und bauten das Chorherrenstift zu einem königlichen Schloss aus. Insbesondere Prinzregent Luitpold von Bayern (1821–1912), der jeden Herbst zum Jagen kam, war bei den Einheimischen als Gönner und Wohltäter sehr beliebt. So ließ er unter anderem 1892 die Freiung Kugelfeldfreie, die bis dahin für öffentliche Spiele und Viehmärkte und kurzfristig (1834–1835) auch als Exerzierplatz von der Nationalgarde genutzt wurde, in eine kleine Parkanlage mit Laubbäumen umwandeln. Im Luitpoldpark (zuvor: Luitpoldhain), heute zwischen der Kälbersteinstraße und der Von-Hindenburg-Allee, ließ ein Jahr später der District Berchtesgaden ein Bronzedenkmal aufstellen, das den Prinzregenten in Jagdkleidung darstellt.

1842 wäre beinahe das ganze Marktzentrum einem „notorischen Brandstifter“ zum Opfer gefallen. Er hatte in der Schrannenhalle Feuer gelegt und in der Folge war auch der Turm der gegenüberliegenden Pfarrkirche St. Andreas in Brand geraten. In den Jahren 1873 bis 1875 wurde auf dem Platz der ehemaligen Schrannenhalle das noch heute genutzte Rathaus erbaut, dem bis 1972 die Doppelfunktion als Magistrats- und Schulgebäude zugedacht war.

Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und mit der Anbindung an das Eisenbahnnetz in den 1880er-Jahren entwickelte sich der Fremdenverkehr mit rapide steigenden Gästezahlen. Auch zahlreiche Industrielle sowie Künstler und Schriftsteller besuchten Berchtesgaden und seine Umgebung. Bei den Malern waren der Ort, die direkte Umgebung und der Blick auf das Watzmann-Massiv als Motive beliebt. Carl Rottmann hatte bereits in den 1820ern Gemälde der Berchtesgadener Alpen geschaffen; siehe auch das davon inspirierte Watzmann-Gemälde (1824/25) von Caspar David Friedrich. Stammgäste waren unter anderen Ludwig Ganghofer, der eine ganze Reihe seiner Romane in Berchtesgaden spielen ließ, sowie die norwegischen Schriftsteller Jonas Lie und Henrik Ibsen.

Nachdem das Holzhandwerk beziehungsweise der Vertrieb von Berchtesgadener War an Bedeutung verloren hatte, begann sich neben dem Salzabbau der Tourismus zu einer wichtigen Einnahmequelle zu entwickeln. Als erstes Quartier für zahlende Gäste eröffnete 1877 die Pension Moritz auf dem Obersalzberg, in der sich Jahrzehnte später, noch vor seiner Machtergreifung, auch Adolf Hitler mehrere Male aufgehalten hat.

Nachdem immer mehr evangelische Gäste Berchtesgaden besucht und sich dort auch Zweitwohnsitze eingerichtet hatten, kam 1899 zu den drei römisch-katholischen Kirchen des Marktes eine evangelisch-lutherische hinzu.

1903 wurde in der einstigen Salzberger Gnotschaft Anzenbach in der Locksteinstraße ein Distriktkrankenhaus eröffnet und 1919 in Bezirkskrankenhaus umbenannt.

Zeit der Weimarer Republik

Die Berchtesgadener Besitzungen der bayerischen Königsfamilie gingen 1923 an den Wittelsbacher Ausgleichsfonds über. Bis zu Hitlers Machtübernahme nutzte jedoch der ehemalige Kronprinz Rupprecht das Schloss als zeitweiligen Wohnsitz. Im Ort wurde 1923 seine Tochter Irmingard geboren, die in der Stiftskirche von Nuntius Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., getauft wurde. In Berchtesgaden heiratete 1930 auch Rupprechts Sohn Albrecht die Gräfin Drašković von Trakošćan.

Bereits am 14. Februar 1922 gründete der Reichsbahnbetriebsarbeiter Wolfgang Trimpl die NSDAP-Ortsgruppe Berchtesgaden, bei deren Versammlung am 1. Juli 1923 Adolf Hitler „Über die Zukunft unseres Volkes“ sprach. Zuvor hatte Hitler im Mai 1923 das erste Mal den Obersalzberg besucht, um seinen Mentor Dietrich Eckart in der Pension Moritz (später Hotel Platterhof) zu treffen. Dieser hatte sich dort seit Anfang des Jahres mit Hilfe von Christian Weber einem Haftbefehl wegen Beamtenbeleidigung zu entziehen versucht. Eine Woche nach dem Hitlerputsch in München verhaftet, doch nach schweren Herzanfällen bald wieder entlassen, erlag Eckart Ende 1923 in Berchtesgaden einem Herzschlag.[38] Hitler ließ in den folgenden Jahren seinem ersten Obersalzberg-Aufenthalt noch viele weitere folgen.

Im Herbst 1923 kam es in Reichenhall und Berchtesgaden zu einem bewaffneten Zusammenstoß zwischen vaterländischen und kommunistisch organisierten Gruppen norddeutscher KPD-Leute.

Am 9. Juli 1932, dem Tag der Reichstagswahl, nahm Hitler beim „Großdeutschen Tag“ in Berchtesgaden die Parade von 3000 bayerischen und 3000 österreichischen SA-Männern ab. Insgesamt wählten in Berchtesgaden an diesem Tag 2000 Wahlkartenwähler und veränderten mehrheitlich das Stimmergebnis zugunsten Hitlers.

Zeit des Nationalsozialismus

Nach der Machtergreifung erklärte das Regime den Obersalzberg, heute ein Ortsteil Berchtesgadens, zum Führersperrgebiet mit dem Berghof im Zentrum. Das Kehlsteinhaus und der überdimensionierte Bahnhof Berchtesgadens sind weitere Zeugnisse nationalsozialistisch geprägter Architektur. Die weitreichenden Baumaßnahmen in Obersalzberg wie auch die 1937 im benachbarten Bischofswiesener Ortsteil Stanggaß eingerichtete Reichskanzlei Dienststelle Berchtesgaden als zweiter Regierungssitz des Deutschen Reiches waren meist mit dem Namen Berchtesgaden verbunden. Die Grundstücke, insbesondere auf dem Obersalzberg, wurden den Eigentümern auf Betreiben Martin Bormanns zum Teil abgepresst. Das als Berchtesgadener Abkommen bekannt gewordene Abkommen vom 12. Februar 1938 zwischen dem Deutschen Reich und dem Bundesstaat Österreich war unter Druck zustande gekommen und hatte eine Reihe von Maßnahmen zur Begünstigung der österreichischen Nationalsozialisten festgeschrieben.

Im März 1933 wurden unter dem Vorwurf, die KPD habe die Reichstagsbrandstiftung unterstützt, auch in Berchtesgaden Mitglieder der KPD verhaftet.

Die ersten „und noch einigermaßen freien“ Wahlen in Berchtesgaden während der NS-Zeit hatten am 5. Mai 1933 folgende Sitzverteilung im Gemeinderat zum Ergebnis: NSDAP 10, BVP 5, (den Deutschnationalen nahe) Schwarz-Weiß-Rote-Liste 1 und SPD 1. Den Ersten und Zweiten Bürgermeister stellte die NSDAP.

Die dem christlichen Brauchtum verbundenen Berchtesgadener Weihnachtsschützen wehrten sich gegen eine Vereinnahmung ihres Brauches durch den Nationalsozialismus. Insbesondere ihr Vorstand sprach sich zudem gegen die Auflösung des Franziskanerklosters Berchtesgaden durch die Nationalsozialisten aus mit der Folge, dass der Vereinigungsvorstand Brandner als einziger Berchtesgadener Postbeamter zur Wehrmacht eingezogen wurde. Ihr späterer Ehrenvorsitzender Rudolf Kriß wurde wegen regimekritischer Äußerungen vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, später jedoch zu lebenslanger Haft begnadigt. Die Berchtesgadener Weihnachtsschützen wurden bei der Entnazifizierung als „widerstandsähnliche Gruppe“ anerkannt und die Berchtesgadener Poststraße 1945 in Weihnachtsschützenplatz umbenannt.

Das für den Ort zuständige Bezirksamt Berchtesgaden wurde 1939 in Landkreis Berchtesgaden mit gleichem Zuständigkeitsbereich umbenannt.

Trotz der politischen Symbolwirkung Berchtesgadens beschränkte sich der Luftangriff am 25. April 1945 auf den Obersalzberg. Davon abgesehen erlitten Infrastruktur und Gebäude des Ortes nahezu keine Kriegsschäden. Der Abzug der bis dahin noch verbliebenen NS-Spitzen dürfte die Voraussetzung für die kampflose Übergabe an die Amerikaner gewesen sein. Bereits vor Kriegsende hatten sich die Amerikaner Berchtesgaden als einen ihrer Stützpunkte ausbedungen und unterhielten ihn dann bis 1996.

Sichtbares Zeichen einer kritischen Reflexion der Zeit des Nationalsozialismus in Berchtesgaden wurde nach dem Abzug der Amerikaner und gegen den anfänglichen Widerstand verschiedener Lokalpolitiker die 1999 eröffnete Dokumentation Obersalzberg.
Nachkriegszeit

Nachdem Landrat Karl Theodor Jacob den Süden des Landkreises Berchtesgaden am 4. Mai 1945 kampflos übergeben hatte, wurde der Markt Berchtesgaden von US-Truppen, die zum Teil der 3. US-Infanteriedivision angehörten, und einigen Franzosen besetzt. Die amerikanische Besatzungsmacht bestätigte Landrat Jacob und Bürgermeister Sandrock vorerst im Amt. Bereits am 7. Mai setzte sie jedoch den Juristen Karl Kollmann als neuen Bürgermeister ein, dem am 28. Mai 1945 der ebenfalls von der Besatzungsmacht berufene, als regimekritisches NS-Opfer bekannte einheimische Wissenschaftler Rudolf Kriß folgte; Kollmann war fortan Zweiter Bürgermeister.

Als Folge des Krieges nahm die Gemeinde Flüchtlinge aus den Ostgebieten des ehemaligen Deutschen Reiches auf. Dadurch veränderte sich die Zusammensetzung der Bevölkerung Berchtesgadens deutlich. Die Heimatvertriebenen, insbesondere Deutschböhmen und Schlesier, konnten anfangs nur in ehemaligen Arbeiterbarackenlagern untergebracht werden. Sie lebten zum Teil bis in die 1960er-Jahre im Flüchtlingslager Vockenbichl in der Oberau, das für die SS errichtet worden und dann von der US-Army belegt war, oder sie wurden in Privathäuser und -wohnungen eingewiesen.

Die NS-Grundstücke gingen 1947 formell in das Eigentum des Freistaates Bayern über, jedoch nutzten die Amerikaner einen Großteil der Gebäude und des Geländes weiterhin. Sie richteten im unzerstörten Berchtesgaden ab 1953 eines der drei Armed Forces Recreation Center (AFRC) in Bayern ein.

Nach dem Krieg wies die Entwicklung der Gästeübernachtungen im Berchtesgadener Land und damit auch in Berchtesgaden erneut ein rapide steigende Tendenz auf. Allein in den fünf Wirtschaftsjahren von 1948/49 bis 1952/53 stiegen sie bei durchschnittlich siebentägiger Verweildauer nahezu um das Vierfache auf insgesamt 1.127.272 Übernachtungen an.

Gerade zu Beginn der 1950er-Jahre wurden auch die seinerzeit noch existierenden Hinterlassenschaften des NS-Regimes am Obersalzberg zu einem Anziehungspunkt für Touristen. Als die Sprengung und Entsorgung der Ruinen einstiger Wohnhäuser, unter anderem von Adolf Hitler, anstanden, wurden heftige Proteste seitens der Berchtesgadener laut, die „darin ausschließlich ein wirtschaftliches Problem“, ja eine „Existenzfrage“ des Fremdenverkehrs sahen. Damit das Abtragen der Ruinen nicht zum Anlass „spontaner neofaschistischer Erinnerungs- oder Abschiedsveranstaltungen“ wurde, hatte Bayerns Innenminister Wilhelm Hoegner dort 30 Landpolizisten postieren lassen. Am Ende verbuchte es Landrat Jacob als Erfolg, dass das Kehlsteinhaus erhalten blieb. Dabei war Berchtesgaden und der Obersalzberg keineswegs nur „Wallfahrtsstätte für Ewiggestrige“, sondern gehört regelmäßig zum Besuchsprogramm amerikanischer Salzburg-Touristen, die sich weit weniger von den Zeugnissen der Vergangenheit als zum Beispiel vom Kehlsteinhaus-Panorama „überwältigen“ ließen.

Im Königlichen Schloss Berchtesgaden führte das Landgericht Traunstein 1952 einen Prozess gegen den Forstmeister Georg Küßwetter. Dessen im Mai 1946 angezettelte Brandstiftung und Sprengung des einstigen Wehrmachthauses auf dem Blaueisgletscher, das zur neuen Blaueishütte ausgebaut werden sollte, hatten wegen Küßwetters touristenfeindlicher Beweggründe bundesweites Aufsehen erregt.

1962 wurde in der Locksteinstraße der Neubau des Kreiskrankenhauses Berchtesgaden eingeweiht. Nach der Eingemeindung Salzbergs saniert, ist dieses Krankenhaus seit 1997 als Kreisklinik Berchtesgaden Teil des Verbundes Kliniken Südostbayern.

Vom 1. März 1968 bis 1991 war im Haus Glück Auf in Maria Gern eine sogenannte Kurzschule (Outward Bound School) untergebracht, die Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitgestaltung u. a. unter dem Gesichtspunkt der Hilfsbereitschaft nahezubringen suchte.

Von der Gebietsreform bis zur Gegenwart

Im Zuge der bayerischen Gebietsreform hatte sich am 1. Januar 1972 durch die Eingemeindung der drei vorher selbstständigen Gemeinden Au, Maria Gern und Salzberg[59] die Einwohnerzahl Berchtesgadens nahezu verdoppelt und die Gebietsfläche um ein Mehrfaches erweitert. Im Gegenzug musste der Markt Berchtesgaden am 1. Juli 1972 seinen Status als Kreishauptort und den Sitz des Landratsamtes an die Große Kreisstadt Bad Reichenhall abgeben. Das schloss die Auflösung des Amtsgerichts Berchtesgaden ein und die Übertragung seines Zuständigkeitsbereichs an das Amtsgericht in Laufen. Aus dem 1939 begründeten Landkreis Berchtesgaden wurde der neue, erweiterte Landkreis Berchtesgadener Land, dem der Markt seitdem angehört.

Der Hauptsitz der Nationalparkverwaltung des 1978 gegründeten Nationalparks Berchtesgaden wurde zunächst im Rathaus eingerichtet, wechselte 1982 schließlich in das ehemalige Wohnhaus des Bezirks-Amtmannes am Doktorberg. Nach anfänglich großen Widerständen der Bevölkerung und von Kommunalpolitikern wurde der Nationalpark Berchtesgaden zu einem der Markenzeichen des gesamten Talkessels. Zusammen mit seinem Vorfeld bildete er den Alpenpark Berchtesgaden, der 1990 von der UNESCO als Biosphärenreservats Berchtesgaden ausgewiesen wurde. Im Juni 2010 erfolgte seine Erweiterung zum Biosphärenreservat Berchtesgadener Land mit insgesamt 840 Quadratkilometern Fläche. An den Park, der sich mit 210 Quadratkilometern über Höhen von 603,3 (Königssee) bis 2713 m ü. NN (Watzmann) erstreckt, schließt sich im Norden ein auf rund 630 Quadratkilometern erweitertes Nationalparkvorfeld an, das neben dem Markt Berchtesgaden alle Kommunen des Landkreises Berchtesgadener Land umfasst. Am 4. Oktober 2010 legte der damalige bayerische Umweltminister Markus Söder in der Hanielstraße den Grundstein für ein neues Umweltbildungs- und Informationszentrum des Nationalparks Berchtesgaden, das als Haus der Berge 2012 fertiggestellt sein soll.

Mit dem Abzug der US-Streitkräfte 1996 ging die Nutzung der Liegenschaften auf dem Obersalzberg an den Freistaat Bayern als Eigentümer über. Die Landesregierung entschied sich für ein Zweisäulenkonzept, das auf der Einrichtung der Dokumentation Obersalzberg (Eröffnung: 1999) und dem Bau des Fünf-Sterne-Hotels InterContinental Berchtesgaden Resort (Eröffnung: 2005) beruhte. Dies bedingte den Abriss des Hotels General Walker, einen von der US-Armee genutzten, seinerzeit größten Gebäudekomplex aus der NS-Zeit, sowie die Verlegung der Bushaltestelle zum Kehlsteinhaus.

Eine Bürgerinitiative beantragte 2004/2005 einen Bürgerentscheid mit dem Ziel, die fünf Gemeinden des Talkessels zu einer Großgemeinde zusammenzulegen. Lediglich in Berchtesgaden hatte der Bürgerentscheid mit über 60 Prozent Zustimmung Erfolg. In Schönau am Königssee und Bischofswiesen scheiterte er hingegen, so dass die Initiatoren auf Abstimmungen in Ramsau und Marktschellenberg verzichteten.

Einwohnerentwicklung
Einwohnerentwicklung in Berchtesgaden

von 1812 bis 1971
Jahr Einwohner
1812 1300
1925 3733
1939 4491
1946 5752
1971 4355
Einwohnerentwicklung in Berchtesgaden von 1840 bis 2009
umgerechnet auf Gebietsstand inkl. Eingemeindungen nach 1972
Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1840 3789 1972 8780
1925 6606 1981 8138
1939 9787 1987 7538
1950 10955 1999 7660
1970 8683 2009 7536

A. Helm stellte „Bevölkerungsziffern“ bzw. 14 zahlenmäßige Erhebungen der „Seelen“ des Marktes Berchtesgaden für die Jahre 1812 bis 1925 zusammen. Zwei Jahre nach seiner Eingliederung in Bayern betrug die Einwohnerzahl 1300, die bis 1925 stetig, abgesehen von einer kleinen Verringerung 1880 um 24 Personen, auf 3733 anstieg. Manfred Feulner bezog sich 1985 in seinen Angaben bereits auf die Eingemeindungen von 1972 und legte auch die Zahlen nach 1925 vor. Demnach war die Bevölkerung 1939 weiter auf 4491 Einwohner angewachsen und hatte 1946 durch die Aufnahme von Flüchtlingen und Evakuierten den Höchststand von 5752 erreicht. 1971, ein Jahr vor den Eingemeindungen, war durch Wegzüge die Einwohnerzahl wieder auf 4355 gesunken.

Die heutige Größe der Gemeinde geht auf die Gebietsreform von 1972 zurück. Durch die Eingemeindung der bis dahin selbständigen Gemeinden Salzberg, Maria Gern und Au stieg die Einwohnerzahl auf 8780 an. Sie verminderte sich zehn Jahre später auf 8138 und nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung Ende 2009 weiter auf 7536. Von diesen waren 6022 römisch-katholisch und 1112 evangelisch, die Religionszugehörigkeit der restlichen 402 Einwohner wurde nicht aufgeschlüsselt. Bis 1987 wurde in den Statistiken der Volkszählungen neben „römisch-katholisch“ und „evangelisch-lutherisch“ stattdessen die Zahl der „Ausländer“ angegeben.

Das Bayerische Landesamt veröffentlichte die Zahlen von 1840 bis 1970 und ab 1987, jedoch umgerechnet auf den Gebietsstand vom 1. Januar 1994 einschließlich der Eingemeindungen von 1972.

Geografisch-soziokulturelle Zuordnungen

Berchtesgaden liegt innerhalb der von der Gebirgsgruppe der Berchtesgadener Alpen umschlossenen geomorphologischen Einheit Berchtesgadener Talkessel, in der sich, mit Berchtesgaden als namensgebendem Hauptort, in den nahezu deckungsgleichen historischen Grenzen des fürstpropstlichen Kernlandes die Kulturlandschaft Berchtesgadener Land herausgebildet hat. Diese Kulturlandschaft grenzt sich noch heute soziokulturell unter anderem vom benachbarten Chiemgau und innerhalb des gleichnamigen Landkreises Berchtesgadener Land vom vormals herzoglich bayerischen Bad Reichenhall und vom einst zum Fürsterzbistum Salzburg gehörenden Rupertiwinkel ab. Somit gingen und gehen die für Berchtesgaden zuständigen Gemeindeverbände und Gebietskörperschaften wie der vormalige Landkreis Berchtesgaden und der jetzige Landkreis Berchtesgadener Land der Fläche wie auch den zugehörigen Gemeinden nach weit über die soziokulturelle Begriffseinheit Berchtesgadener Land hinaus.

Bezogen auf die Kulturlandschaft Berchtesgadener Land wurden u. a. 1925 in Berchtesgaden die Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes gegründet und schlossen sich 1928 die neun Trachtenvereine dieser Region zu den Vereinigten Trachtenvereinen im Berchtesgadener Land zusammen. Da sich innerhalb dieser Kulturlandschaft auch die touristischen Big Five-Attraktionen wie Kehlsteinhaus und Königssee befinden, suchen der 1972 neugebildete Landkreis Berchtesgadener Land und die 2005 zum Nutzen aller Gemeinden des Landkreises gegründete Marketinggesellschaft Berchtesgadener Land Tourismus GmbH an der soziokulturellen Bedeutung des Begriffes Berchtesgadener Land anzuknüpfen.

Regionalplanerisch gehört Berchtesgaden als Mittelzentrum zur Planungsregion Südostoberbayern, in der derzeit Rosenheim das einzige Oberzentrum ist, Traunstein und das österreichische Salzburg teilweise oberzentrale Funktionen wahrnehmen. Historisch spiegeln sich diese Verbindungen zum Beispiel in der Soleleitung von Berchtesgaden nach Rosenheim, administrativ zum Beispiel durch die Bundespolizeiinspektion Rosenheim, rechtlich in der Zugehörigkeit zum Landgericht Traunstein, infrastrukturell unter anderem an der EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein und an der geplanten S-Bahn Salzburg wider.

Religion

Von den Ende 2009 erfassten 7536 Einwohnern waren 6022 als römisch-katholisch und 1112 als evangelisch-lutherisch (einschließlich Freikirchen) gemeldet; die Religionszugehörigkeit der restlichen 402 Einwohner wurde in der Landesstatistik nicht aufgeschlüsselt.

Mehr als 94 Prozent der Einwohner Berchtesgadens gehören somit einer christlichen Religionsgemeinschaft an, ein Prozentsatz, der bis zur Säkularisation im Jahr 1803 nach 100 tendierte. Nach der Emigration mehr als der Hälfte der Protestanten in den Jahren 1732/33 und der Re-Missionierung der verbliebenen waren es zudem ausschließlich Mitglieder der römisch-katholischen Kirche. Die Edikte des Königs Maximilian I. Joseph von 1808 und 1809 und die damit verbundene Gründung einer Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ließen auch in Berchtesgaden eine Wiederbelebung des Protestantismus zu. Doch erst nachdem immer mehr evangelische Touristen Berchtesgaden besucht und sich dort Zweitwohnsitze eingerichtet hatten, kam 1899 zu den drei katholischen Kirchen des Marktes die evangelisch-lutherische Christuskirche hinzu. Vor ihrem Bau dienten den Protestanten das Dormitorium im Königlichen Schloss und das einstige Rentamtsgebäude als Betsäle.

Die beiden römisch-katholischen Kirchengemeinden Berchtesgadens, St. Andreas und Au, gehören zum Dekanat Berchtesgaden des Erzbistums München und Freising. Der Pfarrer der Pfarrei St. Andreas hat zurzeit auch die Ämter des Dekans und Landkreisdekans inne. Die Pfarrkirche der Pfarrgemeinde St. Andreas ist die Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer die Pfarrkirche St. Andreas fungiert seit 1803 als Nebenkirche. In die Zuständigkeit der Pfarrei fallen zudem im Ortsteil Gern die Wallfahrtskirche Maria Gern und im Ortsteil Salzberg die Kirche Maria am Berg. Im Pfarrsprengel befindet sich auch die Franziskanerkirche (eigentlich: Unserer lieben Frau am Anger) des Franziskanerklosters Berchtesgaden.

Zur Heiligen Familie in der Oberau ist die Pfarrkirche der Pfarrei Au. Die Pfarrgemeinde verfügt mit der Franziskuskirche über eine Nebenkirche auf der Buchenhöhe, gehört jedoch zusammen mit St. Nikolaus und ihrer Filial- und Wallfahrtskirche Ettenberg in Marktschellenberg zum Pfarrverband Marktschellenberg.

Seit dem 1. September 2012 bilden die römisch-katholischen Pfarreien St. Andreas Berchtesgaden, Heilige Familie Au und St. Nikolaus Marktschellenberg einen Pfarrverband.

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde ist in der Diaspora und Teil des Dekanats Traunstein in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Als Hauptkirche dient der Kirchengemeinde innerhalb des Ortes die Christuskirche. In ihre Zuständigkeit fallen zudem außerhalb Berchtesgadens die Hubertuskapelle in Unterstein/Schönau am Königssee, die Insula-Kirche in Strub (Bischofswiesen), die Schöpfungskirche in Bischofswiesen und die Kirche Zum guten Hirten in Ramsau.

Neben den christlichen Kirchengemeinden ist bei Schöner auch von 60 aktiven Zeugen Jehovas die Rede, die 1974 im Rückgebäude am Rathausplatz 16 ihren Himmelreichssaal einweihten, und davon, dass vom 1. August 1980 bis 30. September 1981 im hinteren Teil eines Firmengebäudes in der Bahnhofstraße 21 ein „Mohammedanischer Betsaal“ eingerichtet war.

Wappen

Blasonierung: Ein Geviert mit Herzschild, darin die bayerischen Rauten. Die Felder, vom Schildträger aus gesehen rechts oben und links unten in Rot, sind schräg gekreuzt und weisen je einen goldenen und silbernen Schlüssel auf, die Felder links oben und rechts unten in Blau sechs silberne, drei zu zwei zu eins gestellte heraldische Lilien.

Die beiden Schlüssel auf rotem Grund beziehen sich auf Simon Petrus als einen der beiden Schutzpatrone der Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer, die silbernen Lilien auf blauem Grund entstammen dem Wappen der Gräfin Irmgard von Sulzbach, der damit als Mitstifterin der ersten Klosteransiedlung in Berchtesgaden die Reverenz erwiesen wird. Diese Grundanordnung des Wappens wird bereits seit dem 17. Jahrhundert benutzt. Ihr wurde stets noch ein Mittelschild angefügt, anfangs mit den Wappen der jeweiligen Fürstpröpste, seit der Zugehörigkeit des Berchtesgadener Landes zu Bayern 1810 mit den weiß-blauen Rauten versehen. Dieses noch gültige Wappen wurde dem Markt Berchtesgaden durch Prinzregent Luitpold aber erst am 15. Dezember 1891 offiziell verliehen.

Noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in der heraldischen Literatur ein anderes Siegelbild für das Marktwappen erwähnt. Das bereits 1630 von der Berchtesgadener Gemeinen Land- und Burgerschaft geführte Siegel zeigt den heiligen Andreas. Der Pfarrpatron hält in der Rechten ein Buch, in der Linken das nach ihm benannte Kreuz.


Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Berchtesgadener Weihnachtsschützen pflegen seit 1708 an den kirchlichen Feiertagen (insbesondere Weihnachten) das Böllerschießen. Am 5. und 6. Dezember, dem Nikolaustag, ziehen Bassen (Gruppen) von Nikolausdarstellern mit Buttnmandln (Strohbassen) oder der Nikolaus mit Kramperl (Fellbass) durch den Markt. Zu Palmsonntag werden Palmbuschen gefertigt. Die Berchtesgadener Variante des Palmbuschen sind noch nicht blühende, mit bunten „Gschabertbandl“ bzw. gefärbten dünnen Holspänen geschmückte Palmkätzchenzweige, die zusammen mit Lebensbaum- und Buchsbaumzweigen am oberen Ende eines rund einen Meter langen Haselnusssteckens fixiert werden.

Am 24. Februar 1958 wurde die Berchtesgadener Faschingsgilde gegründet. Deren spätere Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen zu einer Gilde in Opladen führte auch zu fremdenverkehrsfördernden Berchtesgadener Wochen in Opladen und Leverkusen.

Am 26. November 1962 wurde der Verein für Heimatkunde des Berchtesgadener Landes gegründet, dessen Name 2012 anlässlich seines 50-jährigen Bestehens in Heimatkundeverein Berchtesgaden e.V. geändert wurde. Er sieht seine Aufgabe darin, „die historische Vielfalt der Region zu entdecken, darzustellen und einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln“.

Die Berchtesgadener Tracht ist insbesondere als Festtagskleidung an Sonn- und Feiertagen ein verbreiteter Brauch. Die Berchtesgadener Trachtenvereine Almrauscher, D’Edelweißer und D’Untersberger (Stammverein) sowie D’Kehlstoana (Salzberg) und D’Weißenstoana (Au) sind den Vereinigten Trachtenvereinen des Berchtesgadener Landes e. V und dem Gauverband I angegliedert. Diese Vereine pflegen neben der originalen Tracht auch den Schuhplattler.

An Dialekten wird neben dem Hochdeutschen als Amts- und Verkehrssprache eine mehr oder weniger ausgeprägt westmittelbairische Mundart gesprochen, die sich bis in die 1980er Jahre von den Nachbargemeinden und den seit 1972 eingemeindeten Ortsteilen leicht unterschied.

Zahlreiche Sagen spielen in Berchtesgaden und seinen Bergen. Der Ursprung des Namens Berchtesgaden leitet sich angeblich von der Sagengestalt Berchta oder Perchta ab, die auch mit Frau Holle gleichgesetzt wird. Eine andere Sage behauptet, der Name sei auf einen Berchtold zurückzuführen, dem eine Nixe vom Königssee den Weg zum Salz und zur rechtschaffenen Arbeit als Bergmann im Salzbergwerk Berchtesgaden gewiesen habe.

Berchtesgaden als Stoff und Motiv

Neben Caspar David Friedrich haben über die Jahrhunderte hinweg nicht wenige bildende Künstler, insbesondere Landschaftsmaler, Grafiker und Kupferstecher, Berchtesgaden und seine Umgebung als Motiv für ihre Ölgemälde und Buchillustrationen benutzt.

Musikalisch wird Berchtesgaden unter anderem widergespiegelt in der Kindersinfonie (Originaltitel: Berchtoldsgaden-Musik, d.i. Berchtesgaden-Musik)

Insbesondere Ludwig Ganghofer setzte Land und Leuten von Berchtesgaden und Umgebung in einer ganzen Reihe seiner Romane ein literarisches Denkmal. Vom 4. bis 7. Juli 1925 fand in Berchtesgaden zu seinen Ehren eine erste große Ganghofer-Feier mit Festprogramm und Festschrift statt.[96] Daneben ist auch noch sein Zeitgenosse Richard Voß zu nennen, dessen Bestseller-Roman Zwei Menschen Motive aus dem Leben der den Tourismus am Obersalzberg begründenden Judith Platter aufgegriffen hat und mehrfach verfilmt wurde.

Peter Ostermayr wurde 1955 für seine zahlreichen in Berchtesgaden und im Berchtesgadener Land gedrehten Filme zum Ehrenbürger des Marktes ernannt.

Theater und Kinos

Das Berchtesgadener Bauerntheater hat seit 1905 seinen Spielort in einem Nebengebäude des Hotel Watzmann am Franziskanerplatz. Ab 1965 wurden einige seiner Inszenierungen unter Direktor Franz Hafner für das Fernsehen aufgezeichnet.

Die Marktbühne Berchtesgaden ist ein Laienensemble, das u. a. Stücke von Eugene Ionesco, Johann Nestroy und Ken Campbell einstudiert, aber auch eigene Stücke produziert. In Berchtesgaden bislang auf das örtliche Jugendheim als Probenraum und Spielstätte angewiesen, gastiert die Marktbühne oft in der näheren Umgebung.

In Berchtesgaden ist seit 1949 das Schwabenwirt-Kino im Rückgebäude des einstigen Schwabenwirtshauses eingerichtet. In dem 1973 fertiggestellten Kur- und Kongresshaus Berchtesgaden wurde das Kurkino eröffnet, das 1979 von dem Gründer des Schwabenwirt-Kinos, Kurt Klegraefe, übernommen wurde. Beide Kinos firmieren zusammen als Kinos Berchtesgaden und sind im Besitz der Familie Klegraefe (Stand: 2010).

Museen

Das 1614 am nördlichen Rand des Ortskerns von Stiftsdekan Degenhart Neuchinger erbaute Schloss Adelsheim war erst nobler Bürgerwohnsitz, ab 1795 Sitz des Kurfürstlich Bayerischen Hauptsalzamtes und bis 1803 Residenz des letzten Fürstpropstes von Berchtesgaden, Joseph Konrad von Schroffenberg-Mös. Seit 1961 beherbergt es das Heimatmuseum.

Das Königliche Schloss Berchtesgaden zeigt in seinen Räumen zwei Sammlungen. Die Ostasiensammlung umfasst japanisches, chinesisches und europäisches Porzellan der Manufakturen Nymphenburg, Frankenthal und Meißen aus dem 16. bis 20. Jahrhundert. Das Rehmuseum verfügt über eine wildwissenschaftliche Sammlung mit Ausstellungsstücken, die Herzog Albrecht von Bayern (1905–1996) überwiegend aus dem Revier Weichselboden persönlich zusammengetragen und bearbeitet hat. Besichtigungen sind nur im Rahmen einer Führung möglich. Daneben bietet das Schloss mit Kerzen beleuchtete Abendführungen an; jeden Freitag findet Eine kleine Schlossmusik statt.

Im Nationalparkhaus am Franziskanerplatz, einer Dependance des Nationalparks Berchtesgaden, sind eine Dauerausstellung zur Almwirtschaft zu besichtigen sowie eine Wanderausstellung zum Thema „Ökologischer Verbund“ beziehungsweise „Artenvielfalt braucht Biotopverbund“ abzurufen.

Die 1999 eröffnete Dokumentation Obersalzberg sucht die Vergangenheit des Obersalzbergs als „Führersperrgebiet“ zu beleuchten und die Verbindungen zur NS-Politik aufzuarbeiten. Sie zielt damit u. a. auch darauf, den bis dahin allein auf „kommerzielle Ausbeutung“ bedachten Fremdenverkehrsinteressen entgegenzuwirken, die den Kiosken an der Haltestelle zum Kehlsteinhaus seit Jahrzehnten auch den Verkauf von „Geschichtsmüll“ zubilligten, „Andenken mit idyllischen NS-Motiven und vor allem reißerische Hochglanzbroschüren, die scheinbar objektiv über das Geschehen auf dem Obersalzberg in der NS-Zeit informierten, tatsächlich aber die Geschichte verklärten und das nationalsozialistische Regime verharmlosten.“

Musik

Im südlichen Landkreis Berchtesgadener Land gibt es mehrere Blaskapellen. Die erste war die am 30. Juni 1825 gegründete Marktkapelle Berchtesgaden, der auf Antrag des Fragners (Krämers) und Musikers Ignaz Walch die Thurmer-Conzession und damit die Erlaubnis erteilt wurde, an hohen Festtagen von den Kirchtürmen herab Choräle zu blasen. Die Blaskapelle Maria Gern wurde 1946 von Johann Rasp gegründet, eine frühere Gerer Musi ist jedoch bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg erwähnt worden. Johannes Regner gründete 1974 die Jugendblaskapelle der Hauptschule Berchtesgaden und leitete sie bis 1982.

Bereits um 1800 gab es eine Vorgängerin der Singschule Berchtesgaden, die als von Lehrern geleitete Privatanstalt jedoch in erster Linie zur Förderung des Kirchengesangs diente und 1857 mit dem Kirchenchor vereinigt wurde. 1881 gründete der Lehrer Mamertus Perzlmayer die noch bestehende Singschule, die der Distriktsschulinspektor Johann Bauer unterstützte und finanzierte. Nachdem 1905 die Regierung von Oberbayern angeordnet hatte, dass Singschulen keine Nebeneinrichtungen der Volksschulen sein dürfen, wurde sie ab 1908 von der Gemeinde unterhalten und von Perzlmayer noch bis 1925 geleitet. Sie war und ist bis auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs ständig aktiv. Die Oberlehrerin und Singschulleiterin Maria Hartmann setzte sich in den 1960ern für die Einführung des Orff'schem Schlagwerks und den Flötenunterricht ein.

Der Stiftskirchenchor bewahrt ca. 150 wertvolle Handschriften, Autografe und Kopien von 60 Komponisten auf, darunter Werke von Anton Cajetan Adlgasser, Giovanni Francesco Anerio, Giovanni Battista Casali, Anton Diabelli, Josef und Michael Haydn, Antonio Lotti, Wolfgang Amadeus Mozart und den Berchtesgadener Komponisten Franz Mathias Fembacher und Johann Baptist Fembacher.

Die private Musikschule Berchtesgadener Land e.V. hat ihr Büro in Berchtesgaden und einen ihrer fünf Standorte für den Unterricht an der Mittelpunktschule am Bacheifeld. Sie bietet „Musikalische Grundkurse“ sowie Unterricht in Instrumental- und Vokalfächern an. Neben üblichen Instrumenten wie Klavier und Gitarre, werden insbesondere auch Instrumente für bayerische Musik wie Hackbrett und Zither unterrichtet.

Die Berchtesgadener Fleitl ist eine Sopran-Blockflöte, die im Gegensatz zur üblichen zweiteiligen Bauweise aus drei Teilen besteht und nur in Berchtesgaden gefertigt wird.

Bildende Kunst

Der Marktbrunnen wurde erstmals 1558 errichtet. Der Mittelpfeiler mit Löwe ist von 1628, das Marmorbecken von 1677. Anlässlich der 50-jährigen Zugehörigkeit zu Bayern wurde der Brunnen 1860 erneuert.

Die Lüftlmalerei aus dem Jahr 1610 an der Ostseite des Hirschenhauses in der Metzgerstraße spiegelt die menschlichen Laster anhand von Affen wider. Sie stammt von Johann Faistenauer und ist vermutlich die älteste Gestaltung einer Renaissancefassade in Altbayern.

Zwischen Pfarr- und Stiftskirche ist am Platz des 1811 aufgelassenen Friedhofs ein Kriegerdenkmal in Form eines Obelisken aus schwarzem Basalt zu Ehren der Gefallenen in den Jahren 1870/71 errichtet worden.

1910 wurde der Rathausplatz anlässlich der 100-jährigen Zugehörigkeit zu Bayern mit einer Brunnenanlage ausgestattet.

Über den Arkaden des dem Schloss gegenüberliegenden Hofbaus schuf Josef Hengge 1929 eine Freskenmalerei zu Ehren der 89 im Ersten Weltkrieg gefallenen Berchtesgadener. Das Fresko ließ die amerikanische Militärregierung 1945 übermalen. 1952 von Hengge wieder freigelegt und um die Ehrung für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs ergänzt, wurde dieses Kriegerdenkmal 1961 von Gerhard Kommossa (1906–1973) restauriert. Unter zwei der Arkaden steht jeweils ein neugotisch gestalteter Brunnen.

Auf dem Vorplatz des Schlosses wurde 1960 anlässlich der 150-jährigen Zugehörigkeit zu Bayern der von Bernhard Bleeker gestaltete Kronprinz-Ruprecht-Brunnen aufgestellt.

Vom 23. bis 26. September 2010 wurde im Rahmen der Feiern 200 Jahre Zugehörigkeit zu Bayern das 1. Internationale Symposium für Bildkunst mit dem Thema Salz der Heimat abgehalten. Unter der Schirmherrschaft von Professor Milan Knížák aus Prag nahmen zwanzig Künstler aus neun verschiedenen Ländern daran teil und stellten ihre dafür innerhalb einiger Wochen zuvor geschaffenen Kunstwerke aus. Den viertägigen Aufenthalt in Berchtesgaden schloss das Symposium mit der Ehrung von drei Förderpreisträgern und dem Ankauf ihrer Symposiumsarbeiten ab.

2012 wurde der Mutter-Kind-Brunnen des Bildhauers Fritz Schelle am Marktplatz zwischen dem Hirschenhaus und dem Triembachereck installiert. Die Bronzefiguren dieses Brunnens waren zuvor Teil einer ebenfalls von Schelle geschaffenen Brunnenanlage vor dem Café Forstner, die nach über 30 Jahren während der Bauarbeiten zum neuen Hotel Edelweiß entfernt wurde.

Von zwei weiteren Brunnen im Marktplatzumfeld mit den Motiven Knabe mit Ferkel und Dukatenesel sind derzeit Angaben über die Entstehungszeit und deren Erschaffer noch unbekannt.

Profangebäude

Die ehemaligen Klostergebäude des Augustinerchorherrenstifts Berchtesgaden gingen zusammen mit dem zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbauten und noch vollständig im romanischen Stil erhaltenen Kreuzgang samt Kreuzgarten ab 1810 in den Besitz des Hauses Wittelsbach über, dessen Angehörige die Gebäude noch als Schloss nutzen. Zusammen mit der Stiftskirche und dem seit dem 16. Jahrhundert gegenüberliegenden Hofbau, der mit seinen Arkaden als Marstall diente, bilden sie ein durch zwei Bogentore (südlich das Schlosstor, nördlich der Kassierbogen, später Rentamtbogen) begrenztes, in sich geschlossenes Gebäudeensemble.

Das Rathaus wurde von 1873 bis 1875 auf dem Platz der ehemaligen Schrannenhalle erbaut. Es diente bis 1972 auch als Schulgebäude.

Im 1978 zur Fußgängerzone umgewandelten Ortskern befinden sich historische Häuser wie das Hirschenhaus, dessen Lüftlmalerei aus dem Jahr 1610 die menschlichen Laster anhand von Affen widerspiegelt.

Königliche Villa

Nach Plänen des Architekten Ludwig Lange erbaut und 1853 fertig gestellt, war die Königliche Villa das erste Gebäude Berchtesgadens im Villenstil. Maximilian II. hatte sich die Villa westlich des alten Marktzentrums am Fuß des Kälbersteins als Residenz errichten lassen, in der auch der spätere Märchenkönig Ludwig II. als Kind viele Sommermonate verlebte. Sie steht an der Kälbersteinstraße gegenüber dem 1893 eröffneten Luitpoldpark.

Das 1973 eröffnete Kur- und Kongresshaus ist, bedingt durch den wenig tragfähigen Untergrund zum kostenintensiven Pfahlbau geworden, für den 1969 ca. 5 Millionen DM veranschlagt waren, vier Jahre später aber über 16 Millionen DM aufgewendet werden mussten.

Berchtesgaden verfügt als kleinste Gemeinde in Deutschland über einen Hauptbahnhof. Der frühere Bahnhof wurde in den Jahren 1938 bis 1940 wegen der zahlreichen Staatsbesuche auf dem Obersalzberg während der NS-Zeit zum Berchtesgadener Hauptbahnhof repräsentativ umgestaltet. Die großen Freskenmalereien an der Ost- und Westseite im Inneren der Bahnhofshalle hat Maria Harrich jedoch erst Anfang der 1950er Jahre geschaffen.

Der auf drei Brücken ruhende Kreisverkehr vor dem Hauptbahnhof ersetzte 2006 eine ampelgeregelte Kreuzung mit zwei baufälligen Brücken. Er hat einen Durchmesser von 85 Metern.

Ein historisch bedeutendes Gebäude auf dem Gipfel des Kehlsteins ist das Kehlsteinhaus, das auch einen beeindruckenden Panoramablick auf Berchtesgaden und seine Umgebung bietet.

Sakralgebäude

Die Christuskirche wurde von August Thiersch zwischen 1897 und 1899 im neogotischen Stil aus Kälbersteinmarmor am Ende der Ludwig-Ganghofer-Straße errichtet und ist die erste und bislang einzige evangelisch-lutherische Kirche in Berchtesgaden.

Die 1122 errichtete Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer war bis 1803 Teil des Augustinerchorherrenstifts beziehungsweise der Fürstpropstei Berchtesgaden und ist seitdem Pfarrkirche der römisch-katholischen Pfarrei St. Andreas.

Die Pfarrkirche St. Andreas am Rathausplatz neben der Stiftskirche wurde von den Bürgern des Markts Berchtesgaden im Jahr 1397 errichtet. Sie erhielt beim Umbau ab 1480 ihr heutiges Äußeres, die Barockisierung und Erweiterung ihres Innenraums erfolgte 1698-1700.

Die Franziskanerkirche (eigentlich: Unserer lieben Frau am Anger) am Franziskanerplatz, erbaut in den Jahren 1480 bis 1488, war bis 1575 Teil eines Frauenstifts der Augustinerinnen, deren Anlagen ab 1695 von Franziskanern als Kloster übernommen wurden.

Die als Filialkirche genutzte Hilgerkapelle (Maria Dorfen) wurde 1725 unter Fürstpropst von Rehlingen erbaut.

Den Kalvarienberg stattete Fürstpropst Michael Balthasar von Christalnigg 1760 trotz großer Schulden des Berchtesgadener Landes mit vier Neben- und einer Hauptkapelle aus.

In der Wallfahrtskirche Maria Gern, erbaut von 1708 bis 1724, befindet sich über dem Hochaltar das geschnitzte Gnadenbild einer Madonna mit Kind von 1666. Sie wird jeweils passend zum Abschnitt des Kirchenjahres mit prächtigen Barockgewändern in den entsprechenden Farben bekleidet. Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Votivtafeln, mit denen Gläubige sich für die Erhörung ihrer Gebete bedankten.

Die Kirche Zur Heiligen Familie wurde 1908 nach einem Entwurf von Franz Rank im heutigen Ortsteil Au fertig gestellt. Den Altar, gestiftet von Prinzregent Luitpold von Bayern, schuf Theodor Kolmsperger, Altarbild und Leonhardaltar Waldemar Kolmsperger jun. Der Brauereibesitzer Rudolf Kriß stiftete die Orgel. Das Eisengitter in der Kirche stammt aus der Stiftskirche.

In den Jahren 1929 bis 1932 errichtete Franz Brandner unweit seiner 1921 eröffneten Jugendherberge Seimler auf eigene Kosten und mit Hilfe von Verwandten die kleine Kirche Maria am Berg auf einem Hang des Kiliansberges im Ortsteil Salzberg. Die Innenausstattung gestaltete Dr. Mandl 1953 und 1965 um.

Parks

Der Kurpark (auch: Kurgarten oder Kongressgarten) wurde erst 1957 nach den Plänen des Gartenarchitekten Alwin Seifert gestaltet, wiewohl die Marktgemeinde den zuvor als Gärtnerei betriebenen Hofgarten bereits am 29. Dezember 1936 vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds erworben wurde. Er ist heute dem Kur- und Kongresshaus angegliedert.

Der Luitpoldpark (vorher: Luitpoldhain) liegt gegenüber der Königlichen Villa zwischen der Kälbersteinstraße und der Von-Hindenburg-Allee. In seiner Mitte steht ein Bronzedenkmal des Prinzregenten Luitpold von Bayern in Jagdkleidung. Mit der Aufstellung des Denkmals wurde 1893 der Park eröffnet.

Auf dem Alten Friedhof neben der Franziskanerkirche befinden sich die Grabstätten alteingesessener Bürgerfamilien aus Berchtesgaden. Gleich am Eingang liegt das Ehrengrab von Anton Adner (1705–1822), der mit 117 Lebensjahren der bislang älteste Bayer war.

Sport und Sportvereine

Berchtesgaden gilt als Heimat von vielen Spitzenathleten des Wintersports.

Der erste Olympiasieger im alpinen Skisport (Kombination) bei den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen war der im Berchtesgadener Ortsteil Au geborene Franz Pfnür. Nach den Spielen wurde Pfnür von Adolf Hitler zum Kaffee auf den Obersalzberg geladen und trat in die SS ein.

In den 1980ern bewarb sich Berchtesgaden auf Initiative der Kommunalpolitiker aus (CSU, FWG, SPD) und mit Unterstützung hoher bayerischer Politiker, unter ihnen der damalige Ministerpräsident Franz Josef Strauß, um die Olympischen Winterspiele 1992. Gegen die Bewerbung sprachen sich die damals mit einem Gemeinderat vertretenen Grünen aus, die massiv gegen die Bewerbung protestierten.[136][137] Berchtesgaden erhielt im ersten von fünf Wahlgängen die wenigsten Stimmen und schied damit als erster von sieben Bewerbern aus.

Trotz dieser Absage wurden die Möglichkeiten, Wintersport auszuüben und auf Hochleistungsebene zu trainieren, immer mehr zu einem „Markenzeichen“ Berchtesgadens beziehungsweise des Berchtesgadener Landes. Der Nachwuchs der deutschen Wintersport-Nationalmannschaften wird in den vom Bob- und Schlittensportverband betriebenen Sportzentren und an der CJD-Christophorusschule Berchtesgaden auf ihrem Hauptsitz am Dürreck im benachbarten Schönau am Königssee gefördert. Unter den vielen erfolgreichen deutschen Rodlern profitierte auch der gebürtige Berchtesgadener und mehrfache Olympiasieger Georg Hackl von den optimalen Bedingungen dieser Sportzentren.

Die Berghänge in den Nachbargemeinden sind immer wieder Austragungsort bedeutender Sommer- und Wintersportveranstaltungen wie die FIS-Skirennen und die Snowboard-Weltmeisterschaft. Am Königssee werden auf der ersten kombinierten Kunsteisbahn der Welt nationale und internationale Bob-, Rodel- und Skeletonwettbewerbe ausgetragen. FIS-Sprungwettbewerbe finden auf der Großen Kälberstein-Schanze auf der Bischofswiesener Seite des teilweise zu Berchtesgaden gehörenden Kälbersteins statt.

Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland hat in Berchtesgaden seit 2000 seine Geschäftsstelle. Präsident des Verbandes ist der Berchtesgadener Josef Fendt, der einer der erfolgreichsten Rennrodler der 1970er Jahre war.

Der Rodelclub Berchtesgaden bzw. RC Berchtesgaden ist einer der erfolgreichsten Rodelvereine der Welt und damit auch einer der erfolgreichsten deutschen Sportvereine und kann auf einen beeindruckenden Medaillenspiegel verweisen: 7 mal Gold, 6 mal Silber, 5 mal Bronze bei Olympische Winterspielen, 30 mal Gold, 19 mal Silber, 17 mal Bronze bei Weltmeisterschaften und 23 mal Gold, 11 mal Silber, 8 mal Bronze bei Europameisterschaften (Stand: 2010). Zu den prominenten Clubmitgliedern gehören Georg Hackl, Felix Loch, Hans Stanggassinger und Franz Wembacher.

Der Skiklub Berchtesgaden (SKB), gegründet 1906, hat die Abteilungen Ski Alpin, Ski nordisch und Biathlon sowie eine Kinder- und Jugendskischule für den Nachwuchs. In der Vereinschronik 100-Jahre SKB von 2006 wird u. a. an Helmut Schuster (Sohn der Anna Schuster) erinnert, der Generationen von Kindern ab fünf Jahren in der 1929 gegründeten Jugendskischule betreute. Friedl Däuber wurde 1932 in Cortina d’Ampezzo Slalomweltmeister und gehörte zusammen mit dem Klubkameraden Josef Ponn zur Olympiamannschaft, die 1936 an den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen teilnahm.

Der TSV Berchtesgaden, gegründet 1883, hat als Turn- und Sportverein zwölf Abteilungen vor allem für den Breitensport. Die Abteilung Ringen erreichte schon Bundesliga-Niveau. Die zwölf Abteilungen sind: Basketball, BodyArt, Fußball (Kreisliga 4), Judo, Leichtathletik, Nordic Walking, Ringen, Step-Aerobic, Tischtennis, Trampolin, Turnen, Volleyball. Daneben gibt es eine Reha-Sportgruppe. Eine Abteilung für die Wiederbelebung des Schäfflertanzes in Berchtesgaden soll demnächst aufgebaut werden.

Weitere Sportvereine: Berchtesgadener Eisstockschützen-Club (BEC), Bowling Sport Verein Berchtesgaden, Berchtesgadener Drachenflieger, Berchtesgadener Gleitschirmflieger, Eislaufverein Berchtesgaden, F.C. Hotel Watzmann e. V., Golf-Club Berchtesgaden GCB, Königl.-privil. Feuerschützengesellschaft Berchtesgaden, Radgruppe BGD, Schachklub Berchtesgaden, Skisport-Förderverein Maria Gern, Sportgemeinschaft Au, Sportverein Post-Telekom e. V., Sportschützenverein Obersalzberg, Tennis-Club Berchtesgaden, Tauchclub Berchtesgaden e. V. und die Wanderfreunde Berchtesgaden.

Feste

Das Bergfest bzw. der Bergknappenjahrtag wird seit dem mit Privilegien verbundenen Freiheitsbrief der Knappenzunft des Salzbergwerk Berchtesgadens gefeiert, bis 1627 nur als Lob- und Dankgottesdienst in der Stiftskirche, nach der Verleihung einer Fahne im Jahr 1628 auch durch einen Aufzug mit Trommlern und Pfeifern im Ort. Noch heute marschieren zu Pfingsten nach dem Gottesdienst die Bergknappen im Festzug durch die Straßen des Marktes.

Im Jahr 2002 wurde 900 Jahre Berchtesgaden u. a. am 7. April mit einem Pontifikalamt und am 14. Juli mit einem großen Festzug gefeiert.

Am 10. Oktober 2010 feierte Berchtesgaden die 200-jährige Zugehörigkeit zu Bayern mit tausenden Besuchern und einem Festzug mit 1400 Teilnehmern. Anwesend waren auch das Oberhaupt des Hauses Wittelsbach, Herzog Franz von Bayern, der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und Regierungspräsident Christoph Hillenbrand.

Kulinarische Spezialitäten

Seit Jahrhunderten ist es ausschließlich in Berchtesgaden und seinen Nachbargemeinden innerhalb des einstigen Berchtesgadener Landes Brauch, dass vom 1. November an – heute teilweise schon ab September – bis zum 1. Advent Stuck, ein semmelförmiges Roggen-Gebäck mit Korinthen und Zimt, angeboten wird und auf die Vorweihnachtszeit einstimmt.

Persönlichkeiten

In Berchtesgaden sind neben vielen namhaften Sportlern wie Georg Hackl und Anja Huber auch Bildende Künstler, Musiker und Schriftsteller zur Welt gekommen. Der Ort war und ist Wirkungsstätte und Wohnort vieler nicht aus Berchtesgaden stammender Sportler, Wissenschaftler und Schriftsteller wie zum Beispiel Ludwig Ganghofer und Carl von Linde. Auch hatten einige der hochrangigsten Nationalsozialisten (u. a. Adolf Hitler, Martin Bormann, Hermann Göring und Albert Speer) während des so genannten „Dritten Reichs“ einen Wohnsitz innerhalb des „Führersperrgebiets“ auf dem zu Berchtesgaden gehörenden Obersalzberg – deren Wirken wird seit 1999 in der Dokumentation Obersalzberg beleuchtet.

Quelle: Auszüge aus Wikipedia.de